Monolog zum K(r)ampf der Geschlechter

BRUGG/WINDISCH

Proben für «Dr Bräschte Tod» nach Marguerite Duras

LOUIS PROBST

Im Festsaal von Königsfelden findet am 4. Juni gleich eine doppelte Premiere statt: Zur Aufführung gelangt das Stück «La Maladie de la Mort» in der Mundartfassung von Beat Unternährer «Dr Bräschte Tod». Es ist dies die erste Produktion des stattTheater-Teams um Volker Herrnberger.

«Dir bruchtet se gar nid z kenne, hättet se eifach gfunge imene Hotel, uf der Strass, im Zug, inere Bar, imene Buech, imene Film, i Euch sälber . . .», sinniert «er», der Mann. «Sie», die Frau, tanzt. Feenhaft. Nah und doch unerreichbar, während er – in der schmerzlichen Erkenntnis seiner Unfähigkeit zur Liebe -Zwiesprache hält mit ihr über das, was sein könnte.

Die Symbiose aus Monolog und Tanz basiert auf dem Stück «La Maladie de la Mort» der Schriftstellerin Drehbuchautorin und Filmregisseurin Marguerite Duras (1914 bis 1996). «Die Autorin zeigt in diesem Werk die Grundkonstellation von Mann und Frau in ihren Gemeinsamkeiten, Ergänzungen und Widersprüchen», steht im Programmheft zu lesen. Wie im Original von Marguerite Duras wird auch das Stück, das gegenwärtig in einer Mundartfassung von Beat Unternährer unter der Regie von Volker Herrnberger einstudiert wird, zwar von zwei Personen getragen. In der Rezension einer Aufführung des Originalstückes mit der französischen Schauspielerin Fanny Ardant steht jedoch zu lesen: «Eigentlich sind es drei Personen, wie immer, wenn es sich bei Duras um die Liebe dreht: Der Mann, der zu lieben versucht und sich für mehrere Nächte eine Frau kauft. Die junge Frau, die sich ihm öffnet, nicht nur um des Spiels und des Geldes willen, sondern auch deshalb, weil sie das Leiden – eben die – des Mannes erforschen will. Und schliesslich eine dritte Person, die betrachtet und erzählt.»

In der Inszenierung von Volker Herrnberger übernimmt jedoch der Mann (Urs Mühlethaler) beide Sprechrollen. Die Rolle der Frau wird mit einer Tänzerin (Claire Birrfelder May) besetzt, die ihre Gefühle – und das, was sich zwischen den beiden Personen abspielt – mit ihren Stilmitteln zum Ausdruck bringt. Patricia Schmid hat dazu ein Choreografiekonzept erarbeitet.

Hinter der Produktion steht das stattTheater. «Das stattTheater bin ich», meint Regisseur Volker Herrnberger lächelnd. «Die Bezeichnung soll auf das nicht existierende Stadttheater anspielen. Meine Hoffnung geht dahin, dass sich ein Verein entwickeln kann, der sich mit dem eher ernsthafteren Theater befasst.»

Zur Wahl des Stückes für die erste Produktion erklärt er: «Ich habe das Stück in der Originalfassung vor Jahren in Zürich gesehen, und es hat mich gepackt. Mich faszinieren die starke Sprache und die Bilder des Stückes. Daraus ist die Idee entstanden, das Stück durch Tanz zu ergänzen. Weil ich selber verantwortlich bin, kann ich jetzt auch meine Vorstellungen umsetzen.»

© Aargauer Zeitung | Ausgabe vom 27.05.2006