Samstag, 5. August 2006
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Der Sancho Pansa kommt aus Entfelden

Beat Unternährer als Sancho Pansa (vorne), Willi Müller
als Don Quichotte (hinten)

 

Interview Der vielseitig begabte Beat Unternährer, Unterentfelden, spielt zurzeit im Aarauer Freilichttheater

In Aarau gibt der Unterentfelder Beat Unternährer zurzeit mit Erfolg den Sancho Pansa in Voellmys Bearbeitung des «Don Quichotte» von Miguel de Cervantes für die Freilichtbühne. Er ist noch bis zum 19. August jeden Mittwoch bis Samstag auf der idyllischen Bühne beim «Schlössli» zu erleben.

Eigentlich ist er ja ein Entfelder Theaterspieler. In den letzten beiden Saisonproduktionen der Theatergesellschaft Oberentfelden sah man ihn – einen der Leistungsträger und vielfachen Hauptrollenspieler – jedoch nicht auf der Entfelder Theaterbühne.

Wo ist er geblieben?

 
Beat Unternährer als César in
"Marius" von Marcel Pagnol

AARAUER FREILICHTTHEATER: Das Stück «Don Quichotte» wird bis am 19. August, jeweils von Mittwoch bis Samstag, um 20.30 Uhr beim Aarauer Schlössli aufgeführt. Gedeckte Zuschauertribüne. Gespielt wird bei jedem Wetter, ausser bei Sturm. Theaterbeiz «Zum Spanier» ab 18 Uhr geöffnet. Vorverkauf bei aarau info Verkehrsbüro, Graben 42, 5001 Aarau, Tel. 0900 977 977.

Was ist los? Hat er sich zurückgezogen? Oder ganz dem Freilichttheater verschrieben?

Wir wandten uns direkt an den vom Entfelder Theaterpublikum hochgeschätzten Schauspieler.


Wir wandten uns direkt an den vom Entfelder Theaterpublikum hochgeschätzten Schauspieler.

Nein – überhaupt nicht“, erklärt er, „nach der grossen Hauptrolle in „Alles uf Chrankeschyn“ hat es einfach für 2005 und 2006 nicht gepasst. Durch den Regiewechsel und meine Operation im Frühsommer 2005 konnte ich  an dem als Casting aufgezogenen Hauskurs nicht teilnehmen, weshalb ich erst in zweiter Priorität hätte berücksichtigt werden können, was mich bewog, auch dieses Jahr hinter und neben den Kulissen tätig zu sein. Selbstverständlich stehe ich ein anderes Jahr wieder zur Verfügung“ Die TGO hat gezeigt, dass sie über ein grosses Spielerreservoir verfügt und auch neuen Leuten Gelegenheit gibt, erste Bühnenerfahrungen zu machen. Das ist gut so. So gewöhnt sich das Oberentfelder Publikun auch an neue Gesichter. Das Publikum braucht nun einmal Identifikationsfiguren, die einen Wiedererkennungswert haben. Man denke doch an Schneider und an Vock im Dialekttheater, früher an Bernhard und Roderer. Beim Entfelder Theater  ist zB Sepp Badertscher eine Identifikationsfigur. Es gibt nicht viele.

Ist es für einen Vollblutschauspieler einfach, zu pausieren?

Wissen Sie, im Theater gibt es viele Rollen, auch vor und hinter der Bühne; auch die müssen ausgefüllt werden. Das Aarauer Freilichttheater gibt mir jedes Jahr mit  25 Aufführungen genügend Auftrittsmöglichkeiten, sodass ich in Entfelden auch mal jüngeren und weniger erfahrenen Schauspielern Platz machen kann. In diesem Sommer spielen wir in Aarau echte Weltliteratur: die "Abenteuer des Don Quichotte" nach Miguel de Cervantes. Dort darf ich die äusserst dankbare Rolle des Sancho Pansa verkörpern. Im Freilichttheater sind Effekte möglich, die man sonst auf Theaterbühnen nicht sieht, zum Beispiel den Einbezug der Landschaft und von Tieren; 2000 ritt ich auf einem Kamel, dieses Jahr auf einem Esel. Es macht uns beiden grossen Spass.

Wie kamen Sie denn überhaupt zum Theater?

Im Alter von 50 Jahren habe ich eine fast 25 Jahre unterbrochene „Theaterkarriere"wieder aufgenommen und durfte während 13 Jahren viele schöne und anforderungsreiche Rollen verkörpern. Regisseure wie Sigi Blarer, Joe Stadelmann, Rico Spring, Peter Beck und Peter Voellmy verstanden es, mir Rollen auf den Leib zu schreiben, wie das schon Jakob Stebler Josef Reinhard und Josef Aeby-Zryd in den 50er und 60er Jahren verstanden. Waren es dort der Representationsrat Bunz, der Eidgenoss Chrättli, der Bünzli, der Graf Homonay, der Baron Weps und der Oberst Ollendorf, so waren es bei Peter Voellmy grosse historische Rollen, wie der Junker May von Rued, der Gessler, der General Wertmüller, der Jedermann und bei andern Regisseuren irgendwelche autoritätsverkörpernde Rollen, wie ein Hoteldirektor, ein Kriminalkommissar, ein Generaldirektor, ein pensionierter Oberst, ein Chefarzt in einem Spital oder aber Glanzpartien, wie einen russischen Tanzmeister, ein Butler, ein Industrieller auf Abwegen oder ein Wirt in einer Hafenkneipe. Immer war dahinter sehr viel Gestaltungsmöglichkeit, die ich auch voll nutzte.  

Welche Rolle war Ihnen die liebste?

Immer die aktuelle, mit der ich mich neu auseinanderzusetzen hatte, wobei es natürlich einige Glanzlichter hatte, wie z.B. den Jedermann, den Gessler oder den General Wertmüller in Aarau, den César oder den Cornel Albert Rayne in Entfelden.

General Wertmüller            Jedermann                  Gessler

Natürlich würden diese Glanzlichter überhaupt nicht leuchten, wären hier nicht sehr viele Leute hinter den Kulissen tätig gewesen. Ihnen allen gilt mein Dank. Und auch meinem treuen Publikum, das mich immer wieder zu guten Lestungen anspornte.  

Wann wird man Beat Unternährer wieder auf der Entfelder Theaterbühne sehen? 

Wenn man mich braucht und man mir eine anforderungsreiche Rolle geben kann. 2007 pausiere ich nochmals; anschliessend ist wiederum alles offen. Ich fühle mich persönlich noch nicht auf dem Zenit meines schauspielerischen Könnens und bin überzeugt, dass ich Rollen spielen kann, an die man vielleicht heute nicht denkt.  

Wird Theater Ihre grosse Leidenschaft bleiben? 

In irgendeiner Form schon. Ich bin mit Leib und Seele Theatermensch. Auf der Bühne und bei  Freilichtaufführungen. Ich habe auch Regie-Angebote. Ausserdem mache ich Unternehmenstheater, d.h.  Theaterarbeit im Dienste der Wirtschaft. Es ist ein neuer und innovativer Weg, in den Betrieben mit Theaterspiel und –übungen zu informieren, Motivation zu erzeugen, Präsentation und Vision sicht- und erlebbar zu machen. Unternehmens-Theater ist eine ganz besondere Form des Erlebnislernens mit unbegrenzten Möglichkeiten. Seit einiger Zeit betätige ich mich auch als Uebersetzer französischer und englischer Theatertexte. Letzthin kam im Profitheater meine Uebersetzung von Marguerite Duras "La maladie de la mort" unter dem Namen "Dr Bräschte Tod" zur Aufführung.

Meine grosse Leidenschaft jedoch ist die Oper. Seit vielen Jahren bin ich nicht nur regelmässiger Opernbesucher in Schweizer und Ausländer Opernhäuser, nein ich habe mich auch im Rahmen eines fast 10jährigen Nachdiplomstudiums sehr intensiv mit dieser Kunstform auseinandergesetzt, insbesondere mit den Werken Richard Wagners. Hier evaluiere ich zZt neue Herausforderungen, vornehmlich als Publizist. Auf meiner Homepage http://www.theaterspielen.ch/ sind nähere Hinweise zu finden.(frg)

 Herr Unternährer, wir danken Ihnen für dieses Gespräch


 

 

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