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Wo Unternehmenstheater seinen Platz hat

"... organizational theatre is used as a communicative medium in the context of conflict and change."

Professor Dr. Georg Schreyögg, Freie Universität Berlin

Unternehmenstheater ist eine Methode, die zunehmende Beliebtheit bei der Vermittlung in firmeninternen Konflikten erlangt. Im Rahmen der Personal- und Organisationsentwicklung hebt sich das Auftragstheater deutlich von betrieblichen Rollenspielen und ähnlichen Aktivitäten ab. Im professionellen Einsatz birgt Unternehmenstheater enorme Potenziale, betriebliche Schwierigkeiten in dialogischer Form anzugehen. Im Rahmen von Prozessen der Strategieverwirklichung lassen sich zwischenmenschliche Kommunikationprozesse durch den Einsatz von Unternehmenstheater sinnvoll begleiten. Die Theater-Intervention beinhaltet förmlich das Management von Veränderungsprozessen in Unternehmen.

Es handelt sich hier um maßgeschneidertes Theater, das von Profis für ein beauftragendes Unternehmen mit vorher abgesprochenen und gezielt inszenierten Inhalten im Unternehmen dargebracht wird. Beispielsweise wird es angewandt bei Konflikten, die im Zusammenhang mit Unternehmensfusionen zwischen unterschiedlichen Unternehmenskulturen entstehen. Auch bei Kommunikationsstörungen zwischen unterschiedlichen hierarchischen Ebenen findet das Unternehmenstheater eine konstruktive Anwendung.

Das Auftgragsstheater kann dazu beitragen, innerbetriebliche Blockaden aufzulösen und damit Bewegung zu erzeugen. Es ist geradezu ein Teil des Change Management selbst. Die Kunst der Regie und das Know How der Dramaturgie profesionellen Theaters werden bei der Theater-Intervention im Rahmen unternehmensbezogener Prozesse wertsteigernd umgesetzt.

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Wodurch sich Unternehmenstheater auszeichnet

Professor Dr. Georg Schreyögg von der Freien Universität Berlin beschreibt Unternehmenstheater in Anlehnung an seinen Kollegen B. Beckerman durch vier strukturierende Elemente:

  • Die Theateraufführung selbst, bei der professionelle Schauspieler im klassischen Sinne ein Stück aufführen.
  • Das Besondere ergibt sich daraus, dass ein unternehmensrelevantes Problem nach gründlicher Vorbereitung zur Aufführung kommt.
  • Bei den Zuschauern handelt es sich um eine gezielt ausgewählte Gruppe von Mitarbeitern des beauftragenden Unternehmens.
  • Im Normalfall handelt es sich bei Unternehmenstheater um Auftragstheater, für das der Auftraggeber bezahlt.

Dementsprechend hängt die Qualität eines jeden Unternehmenstheaters von der Sorgfalt ab, mit der es vorbereitet, durchgeführt und nachbereitet wird. Im Vorfeld ist eine enge inhaltliche und organisatorische Abstimmung zwischen dem Anbieter der "performance" und dem beauftragenden Unternehmen von fundamentaler Bedeutung. Beide müssen ein hohes Maß an Sensibilität für vesteckte Probleme, ungeschriebene Regeln sowie Symbole und die Umgangssprache des Zielpublikums entwickeln. Die Inhalte des Drehbuchs hängen ganz wesentlich von den Arbeiten in der Vorbereitungsphase ab.

Auch Ausstattung, Durchführung und Aufführungsort sollen genau auf das inhaltliche Ziel abgestimmt sein. Dazu gehören Kostüme und Bühnenbild genauso wie eine adäquate Bühne. Häufig werden hier Fabrikhallen, Konferenzräume oder auch Hotels und Kongresszentren gewählt.

Im Gegensatz zum traditionellen Theater erzielt man mit Unternehmenstheater nur dann einen Erfolg, wenn die Aufführung selbst in einem Veränderungsprozesse aufgeht und sich ein professioneller Follow Up Prozess anschließt. In Workshops, Gruppendiskussionen und ausführlichen Reflexionsprozessen können, häufig mit der Hilfe zusätzlicher professioneller Berater, Lösungsalternativen zum bisherigen Alltagsgeschehen erarbeitet werden.

Der Nutzen von Theater-Intervention geht also im wesentlichen von der Gestaltung ihrer Vor- und Nachbereitung aus.

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Wie Unternehmenstheater wirkt

Unternehmenstheater hat immer zum Ziel, die Zuschauer unmittelbar in das Geschehen einzubeziehen. Die gezielte Konfrontation mit verborgenen Konflikten, unbewussten Verhaltensmustern oder unangenehmen Zusammenhängen wird mit theatralischen Mitteln gesucht. Für die Zuschauer häufig aussergewöhnlich ist das Beobachten bekannter Situationen mit unbekannten Akteuren und in ungewohnter Umgebung. Die sich hieraus ergebende Spannung stellt in der Regel eine gewaltige Herausforderung für das Publikum dar. Gefühlsausbrüche sind deshalb keine Seltenheit.

Die Zuschauer betrachten im Unternehmenstheater in erster Linie die Darstellung von Beobachtungen aus dem Unternehmensalltag die Dritte gemacht haben. Dadurch kommt es zur Trennung zwischen der Wahrnehmung des realen Geschehens und der Darstellung auf der Bühne. Der Kern der Wirkungsweise liegt darin, dass die daraus entstehende Distanz es dem Zuschauer ermöglicht, sein Handeln/Verhalten zu reflektieren.

Durch den entstehenden Reflexionsprozess werden scheinbar unbewegliche Strukturen wieder in Bewegung gebracht. Dieser Prozess macht in der Folge Veränderung möglich.

"Die Wirkung einer Theater-Intervention ist innerhalb eines Veränderungsprozesses am größten, wenn diese Intervention an sich offenbar keinen weiteren ersichtlichen Nutzen mehr erbringt. Sie liefert allerdings den einzig möglichen und zwingend notwendigen Vorwand zur Prozessgestaltung ihrer eigenen Vor- und Nachbereitung, mit dem Ziel der Veränderung." (Jürgen Bergmann, transico)

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Links und Literatur

 

 

Eine wichtige Quelle:
SCHREYÖGG, Georg (2001): Organizational Theatre and organizational change. Diskussionsbeiträge des Instituts für Management 13/01, Freie Universität Berlin